Eines der schönsten Gedichte (insgesamt und von Gernhardt) die ich kenne, gerade wieder in einem Gespräch darauf gekommen.
Im Gedenken an den großen Menschenzweifler Gernhardt, Der von Mundart bis “Merci”-Kitsch alles drauf hatte:

Einer überdenkt einiges
Und er dachte an die Fraun in seinem Leben
Und befand: Sehr viele waren’s nicht
Und er fragte, was sie ihm gegeben
Und erinnerte sich dunkel: Licht
Und er dachte, ob sie seiner dächten
Und befand: Wahrscheinlich ist das kaum
Und er fragte, was Gedanken brächten
Und erinnerte sich hellwach: Traum
Und er dachte, was sie ihm genommen
Und befand: Die Glut aus meiner Brust
Und er fragte, was er selbst bekommen
Und erinnerte sich seufzend: Lust
Und er dachte an die Folgen all der Lieben
Und befand: Sie gingen reichlich weit
Und er fragte, was davon geblieben
Und erinnerte sich lächelnd: Leid.
Quelle: Robert Gernhardt, Lichte Gedichte.
Fischer Taschenbuch Verlag. Frankfurt am Main, August 1999.
S. 27
